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Zerstört Rot - Grün die Phytotherapie?

Mißglückter Vorschlag zur Senkung von Ausgaben

Ein mißglückter Vorschlag zur Senkung von Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung

Kassenpatienten sollen von 2004 an voraussichtlich deutlich tiefer in die Tasche greifen. So jedenfalls sehen es die Pläne von Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) vor, die am 9. Mai weitere Details der geplanten Gesundheitsreform bekannt gab. Unter anderem sollen apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel in Zukunft nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Nach Ansicht von Experten bedeutet das nicht nur eine massive Einschränkung der Arzneimitteltherapie. Vor allem werden die Patienten erhöhten Risiken ausgesetzt und das alles höchstwahrscheinlich ohne eine reale Kosteneinsparung.


5 Milliarden höhere Kosten, wenn verschreibungfreie Arzneimittel nicht mehr von den Krankenkassen ersetzt werden dürfen

Warum sind Arzneimittel verschreibungspflichtig?

In Deutschland sind solche Medikament verschreibungspflichtig, von denen ein gewisses Risiko ausgehen kann. Drohen z. B. bei der Einnahme eines Arzneimittels schwerwiegende Nebenwirkungen oder kann durch falsche Anwendung (z. B. zu hohe Dosierung) eine Gesundheitsgefahr für den Patienten entstehen, wird ein Arzneimittel unter die Verschreibungspflicht gestellt. Darüber hinaus werden neu entwickelte Wirkstoffe zunächst ebenfalls für fünf Jahre unter die Verschreibungspflicht gestellt. Als nicht verschreibungspflichtig hingegen wird ein Arzneimittel eingestuft, wenn es nebenwirkungsarm und gut verträglich ist und wenn ein ausreichender Erfahrungsschatz in der Anwendung vorliegt.

Rezeptfreie Arzneimittel selbst bezahlen



Patienten sollen rezeptfreie Arzneimittel aus eigener Tasche bezahlen

Nach den Plänen der rot-grünen Koalition sollen Patienten in Zukunft nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel - also gerade die nebenwirkungsarmen und gut verträglichen - nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt bekommen. Das betrifft fast 30% der 2001 verschriebenen Arzneimittelpackungen, u. a. auch sämtliche pflanzlichen Arzneimittel. Folge wird sein: Entweder müssen die Patienten diese Arzneimittel aus der eigenen Tasche bezahlen oder der Hausarzt, in Zukunft die erste Anlaufstelle des Patienten, ist gezwungen, verstärkt verschreibungspflichtige Mittel zu verordnen. Wird aber beispielsweise ein Johanniskraut-Präparat durch ein chemisches Antidepressivum oder ein pflanzliches Grippemittel durch ein Antibiotikum ersetzt, birgt das nicht nur ein erhöhtes Risiko aufgrund der Nebenwirkungen oder der Resistenzbildung. Im Durchschnitt sind verschreibungspflichtige Arzneimittel auch dreimal teurer und belasten somit das Gesundheitssystem noch zusätzlich. So liegen die Therapiekosten pro Tag bei einem (nicht verschreibungspflichtigen) Johanniskraut-Präparat bei 36 Cent, während ein verschreibungspflichtiger SSRI-Hemmer mit 1,52 Euro, also mehr als dem Vierfachen, zu Buche schlägt.

Freie Wahl der Therapie für Arzt und Patient

Aus diesen Gründen warnen Gesundheitsexperten: Wenn nicht verschreibungspflichtige Medikamente künftig nicht mehr von der Gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden, bedeutet das eine massive Einschränkung der Arzneimitteltherapie, ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für die Patienten und Mehrausgaben für die Gesetzliche Krankenversicherung. Denn bei etwa 250 Millionen Kassenverordnungen von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln und dreifach höheren Durchschnittspreisen bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, entstehen bei einer angenommenen Substitutionsrate von 80% in der gesetzlichen Krankenversicherung ca. 5 Milliarden Euro Mehrkosten. Sinnvoller wäre es, die Erstattungsfähigkeit von Medikamenten an der Krankheit auszurichten, für die sie bestimmt sind. Das würde Arzt und Patienten die Wahl für das jeweils geeignetste Arzneimittel erhalten und auch noch die Kassen entlasten.


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