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Wenn die Blase tröpfelt

Die Blasenschwäche oder Harninkontinenz, also der unfreiwillige Urinabgang, betrifft viele. Häufig führt die Furcht, sich in der Öffentlichkeit einzunässen zu einem Rückzug der Erkrankten aus der Gesellschaft, dem Verwandten- und Freundeskreis. Es kommt zur Vereinsamung. Leider ist dies auch ein Thema, über das aus Scham nicht gesprochen wird. Das ist falsch. Denn nur wenn ein solches gesundheitliches Problem mit dem Arzt besprochen wird, kann er für eine wirkungsvolle Behandlung sorgen. Die Harninkontinenz ist ein sehr weit verbreitetes Problem, das mehr Frauen als Männer betrifft. Das Erkrankungsrisiko
steigt mit zunehmendem Alter: Man schätzt, daß jeder zehnte Mann und jede vierte Frau irgendwann an Inkontinenz leidet.

Wie kommt es zur Harninkontinenz und was sind die Ursachen?

Die Steuerung der Blasenentleerung unterliegt normalerweise unserem Willen, so daß wir den Zeitpunkt weitgehend selbst bestimmen können. Allerdings verlangt das ein fein aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel zwischen dem unbewußten und dem willentlich gesteuerten Nervensystem sowie den beteiligten Strukturen der Harnblase. Bei Störungen des Zusammenspiels kommt es zur Harninkontinenz. In der Wand der Harnblase befinden sich Nerven, die dem Gehirn melden, wie voll die Blase ist. Bei voller Blase sendet das Gehirn das Signal Harndrang. Darauf kann direkt mit einer Kontraktion der Blasenmuskulatur reagiert werden: die Blase entleert sich. Ist dies nicht möglich z.B. wenn keine Toilette in der Nähe ist, wird die Blasenentleerung mit hemmenden Nervenimpulsen willentlich unterdrückt. Eine Störung dieser Leitung zwischen Gehirn und Blase führt zur Inkontinenz.
Andere Ursachen hängen direkt mit der Blase zusammen: Die Funktion des Blasenmuskels oder der Abfluß durch die Harnblase kann gestört sein, z.B. durch eine Erkältung oder durch Entzündungen. Ein weiteres Problem betrifft besonders Frauen: So kann es unter anderem nach Schwangerschaften zu einer Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur kommen. Da diese als äußerer Schließmuskel fungiert,
kann dem Druck der Blase nicht standgehalten werden, und es kommt zum unfreiwilligen Urinverlust. Daneben können psychische Störungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten zur Inkontinenz führen.

Harninkontinenz ist nicht gleich Harninkontinenz

Dranginkontinenz: Drang-, auch Urge-Inkontinenz genannt, ist eine sehr häufige Form der Harninkontinenz. Charakteristisch ist dabei das Gefühl, bei Harndrang nicht warten zu können. Die Betroffenen müssen die Toilette sofort aufsuchen, oft erreichen sie diese nicht rechtzeitig. Das Wasserlassen kann nicht willentlich unterbrochen werden. Das Problem tritt nicht nur im Sitzen oder Stehen, sondern auch im Liegen auf. Grund für diese Störung ist eine gesteigerte Tätigkeit der Blasenmuskulatur. Entweder gibt sie zuviel Impulse an die Nervenbahnen ab, oder sie erhält zuwenig hemmende Impulse vom Gehirn.

Streßinkontinenz: Bei der sogenannten Streßinkontinenz, die wenig mit dem Modewort Streß zu tun hat, geht der Urin bei körperlicher Belastung, beim Husten oder Niesen ab. Meistens wird vorher kein Harndrang verspürt. Der Patient verliert nur wenig Urin, das Wasserlassen kann willentlich gestoppt werden.Ursache ist eine Schwäche der Verschlußmechanismen der Blase. Betroffen sein kann einerseits der Blasenschließmuskel und andererseits auch die Beckenbodenmuskulatur.Auch Mischformen beider Inkontinenzformen sind möglich.

Keine Hemmungen beim Arztgespräch

Das Wichtigste bei der Inkontinenz-Diagnose ist, daß sie überhaupt stattfindet. Denn viele inkontinente Menschen suchen keine Hilfe auf, weil sie glauben, Inkontinenz gehöre zum Altern dazu, und sie müßten alleine damit umgehen. Viele schämen sich auch und können mit niemandem darüber sprechen. Einen erwachsenen Menschen kostet es natürlich Überwindung, dem Arzt zu gestehen, daß er sich die Hosen naß macht. Denn dies ist ein persönliches und intimes Bekenntnis. Vielleicht fällt es Ihnen leichter, wenn Sie erklären "Ich leide an Inkontinenz".

Harninkontinenz: Was ist zu tun?

Um welche der geschilderten Krankheitsformen es sich bei einer Harninkontinenz handelt, wird der Arzt oftmals schon an der Art der beklagten Symptome erkennen können. Er wird dabei in erster Linie die Symptomatik beim Wasserlassen hinterfragen, also beispielsweise, ob Brennen auftritt, ob der Harnstrahl willkürlich unterbrochen werden kann, wieviel Urin verlorengeht oder wann die Probleme besonders stark sind. Manchmal wird er Sie einen Fragebogen, genannt Anamnesebogen, ausfüllen lassen. Das hat den Vorteil, daß Sie manche als peinlich empfundene Aussage in Form eines Kreuzchens machen können. Neben der allgemeinen körperlichen Untersuchung wird der Arzt meist Urinanalysen vornehmen. Liegt ein eindeutiger Fall vor, so kann dann direkt eine Behandlung, beispielsweise durch die Gabe von Medikamenten, die die gesteigerte Blasenaktivität hemmen, begonnen werden. Eine Möglichkeit, die Form der Inkontinenz festzustellen, ist das Führen eines "Miktionskalenders". In einen solchen Kalender trägt der Patient bei jedem Toilettengang die Menge, die Häufigkeit und die Uhrzeit der Blasenentleerung ein. In manchen Fällen sind weiterführende Untersuchungen erforderlich, um zu entscheiden, welche
Behandlungsform im Einzelfall Erfolg verspricht.

Der Arzt kann helfen

Medikamentöse Therapie: Speziell für Harninkontinenzformen, die mit einer erhöhten Tätigkeit des Blasenmuskels einhergehen, also insbesondere bei Symptomen einer Dranginkontinenz, sind heute effektive Wirkstoffe verfügbar. Sie hemmen die Überaktivität des Blasenmuskels und sind dabei gut verträglich.

Training der Beckenbodenmuskulatur: Steht eine Streßinkontinenz im Vordergrund, so sollte das Ziel der Behandlung dagegen vorwiegend in einer Verstärkung der Verschlußmechanismen der Blase liegen. Dies geht zum Beispiel, indem man durch gezielte Übungen die Beckenbodenmuskulatur trainiert und somit stärkt. In einigen Fällen kann aber auch ein operativer Eingriff nötig sein, etwa wenn die Inkontinenz durch eine Senkung der Gebärmutter verursacht wird.

Hautschutz ist wichtig

Die Haut eines Inkontinenten hat es nicht leicht. Häufiges Waschen und das feuchtwarme Milieu bedingt durch die Inkontinenzvorlage führen nicht selten zu Hautproblemen. Vor allem kommt es bei einer Hautpflege darauf an, den Säure- und Fettschutzmantel zu erhalten.

Pflege des Intimbereichs: Mehrmals am Tag sollten Sie den Intimbereich mit Wasser oder pH-neutraler Waschlotion reinigen. Dem Wasser eventuell etwas Essig oder Zitronensaft zufügen. Verwenden Sie keine Waschlotion mit der Aufschrift "wirkt desinfizierend". Werden Waschzusätze benutzt, die Haut stets mit kaltem Wasser nachreinigen. Sorgfältig und schonend abtrocknen. Pflegen Sie die empfindliche Haut nur mit Wasser-in-Öl-Emulsionen, nicht mit Cremes mit der Aufschrift "zieht schnell ein. Ist die Haut bereits gerötet und leicht entzündet, schützen stark fettende Salben.

Offenheit hilft weiter

Die Behandlung zielt in erster Linie darauf ab, die Ursache der Störung zu beseitigen. Leider ist dies bei einigen Formen der Harninkontinenz noch nicht vollständig möglich. In den meisten Fällen läßt sich durch die Einnahme der Medikamente und mit einem speziellen Training eine erhebliche Besserung der Beschwerden erreichen, im Idealfall sogar Beschwerdefreiheit. Wichtig ist vor allem, daß Sie Ihr Problem mit einem Arzt besprechen oder betroffene Bekannte, Freunde, Verwandte ermutigen, zum Arzt zu gehen. Hilfe, Beratung und Gedankenaustausch finden Sie bei Selbsthilfegruppen, die in den meisten Städten
entstanden sind.


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